Maria Lenfers (1876 – 1962)

Maria Lenfers wurde am 2. Februar 1876 in Nottuln geboren. Nach ihrem Schulabschlusses in einem klösterlichen Pensionat begann sie eine Ausbildung als Lehrerin für die Volksschule aber auch für mittlere und höhere Mädchenschulen. Nach verschiedenen beruflichen Stationen u. a. im Schloss Bettendorf in Luxemburg, Nottuln und der Ägidiischule in Münster, begann sie im April 1905 ihre Tätigkeit an der Jakobischule. Zunächst hatte sie eine Anstellung als Aushilfslehrerin. Seit 1907 war sie dort als festangestellte hauptamtliche Lehrerin tätig. Während des Ersten Weltkrieges übernahm sie die Leitung des katholischen Elisabethvereins, der sich dem Bereich der nichtstaatlichen Fürsorge verpflichtet fühlte. Die Elisabethvereine waren den jeweiligen Kirchengemeinden zugeordnet und übernahmen wichtige karitative Aufgaben. Der Elisabeth-Verein St. Jakobi war in der Weimarer Republik der zweitgrößte unter den religiösen, karitativen, Sport- oder Bildungsvereinen in Coesfeld. Seine Mitglieder rekrutierten sich in der Regel aus der städtischen Oberschicht. Mit dem Ende der Monarchie und der Weimarer Republik bekamen Frauen erstmals das Wahlrecht. Maria Lenfers wurde 1920 als erste Frau in Coesfeld Stadtverordnete. Sie war Mitglied der Zentrumspartei und blieb bis 1933 nicht nur durchgehend Mitglied des Stadtrates, sondern auch bis dahin die einzige Frau im Rat. Ihre Politik orientierte sie dabei besonders an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen, sowie die der Armen der Stadtbevölkerung. Durch die nationalsozialistische „Machtergreifung“ 1933 musste sie ihr politisches Amt wie alle Mitglieder der Zentrumspartei niederlegen. Ab 1945 konnte sie sich wieder politisch einbringen. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits 69 Jahre. Trotz ihres Alters engagierte sie sich wieder stark für die Schwachen und Armen der Gesellschaft und tat dies z. B. in der Pfarrcaritas der Jakobipfarrei und dem Wohlfahrtsausschuss, der 1952 in den Sozialausschuss der Stadt Coesfeld umgewandelt wurde. Nach ihrem Tod am 23. Februar 1962 wurdefür sie auf Vorschlag des Caritasverbandes Frau Anna Witte als sachkundige Bürgerin in den Sozialausschuss gewählt.


Quellen und Literatur

Allgemeine Zeitung Coesfeld vom 24. Februar 1962; Allgemeine Zeitung Coesfeld vom 28. Februar 1962; Stadtarchiv Coesfeld, Protokoll der Ratssitzung vom 19. Juni 1962; Damberg, Norbert: Maria Lenfers, in: Zeitgenossinnen. Frauengeschichte(n) im Kreis Coesfeld, Nottuln 1998, Fasse, Norbert: Fortschritt und tiefe Verunsicherung: Coesfeld in der Weimarer Republik, in: Damberg, Norbert (Hrsg.): Coesfeld 1197 – 1997, Band 1., Münster 1999, S. 501- 700.

 
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