Eleonore Pollmeyer (1903 - 1989)

Eleonore Pollmeyer wurde am 3. April 1903 in Wronke im heutigen Polen als Eleonore Broska geboren. Als junge Frau kam sie nach Coesfeld und arbeitete dort zunächst als Bedienung in der Stadthalle. Im Jahr 1923 heiratete sie Wilhelm Pollmeyer.

Nach dem 2. Weltkrieg gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Coesfeld. Sie sammelte Spenden für notleidende Familien und verteilte Lebensmittelpakte an die Bewohnerinnen und Bewohner der zerbombten Stadt Coesfeld.

Ihr Engagement für Hilfsbedürftige blieb auch nach dem Wideraufbau bestehen. Sie organisierte z. B. Erholungsmaßnahmen für ältere Menschen und junge Familien. Sie unterstützte in den 1970er-Jahren Gastarbeiterfamilien bei der Suche nach Wohnraum und bemühte sich um eine gelungene Integration der Familien, z. B.  durch die Organisation von Sprachkursen und warb für Akzeptanz bei den Coesfelder Bürgerinnen und Bürgern. Aus diesem Grund wurde sie auch liebevoll als „Türkenmutti“ betitelt.

Eleonore Pollmeyer gehörte zu den wenigen Frauen, die bereits unmittelbar nach dem Krieg auch auf kommunaler Ebene politische Verantwortung übernahmen. Bereits 1946 war sie Mitglied im Wohlfahrtsausschuss und blieb dies auch nach dessen Umbenennung in Sozialausschuss am 1.12.1952. Am 24. Juni 1954 wurde Eleonore Pollmeyer als Ratsmitglied für die SPD vereidigt und engagierte sich in den folgenden Jahren neben dem Sozialausschuss, z. B. auch im Schulausschuss, Kulturausschuss und Hauptausschuss. Ab 1952 war sie außerdem im Jugendamtsausschuss des Kreises aktiv und brachte sich in den folgenden Jahren auch im Kreistag und Ausschüssen des Kreises ein. Bis 1972 leitete sie außerdem die Ortsgruppe der AWO.

Für ihr großes Engagement verlieh Bürgermeister Josef Vennes ihr 1973 die Stadt Plakette, eine Auszeichnung, die vor ihr noch keine andere Bürgerin erhalten hatte. Am 9. April 1974 bekam sie außerdem das Bundesverdienstkreuz „in Anerkennung und Würdigung der Verdienste, die sich Frau Pollmeyer im sozial- und kommunalpolitischen Bereich erworben hat“ verliehen. Eleonore Pollmeyer starb am 23. Januar 1989 und vererbte ihr eigenes Haus am Südring mit der Auflage, dort eine Begegnungsstätte der AWO zu errichten. Die Renovierung ihres Hauses wäre jedoch mit so hohen Kosten verbunden, dass die AWO ihr Haus verkaufte und dafür die ehemaligen Ratsschänke am Lambertiplatz in eine Begegnungsstätte umwandelte. Am 6. Oktober 1995 konnte diese Begegnungsstätte unter dem Namen „Eleonore Pollmeyer-Haus“ eröffnet werden.


Quellen und Literatur

Kreisarchiv Coesfeld, Bestand 7, Nr. 6; König-Heuer, Ursula: Eleonore Pollmeyer, in: Zeitgenossinnen. Frauengeschichte(n) aus dem Kreis Coesfeld, Nottuln 1998.

 
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