Clementine Martin (1775 – 1843)

Die Nonne Clementine Martin wurde 1775 in Brüssel als Wilhelmine de Martin geboren. Als Wilhelmine 8 Jahre alt war, wurde ihr Vater nach Jever in Ostfriesland versetzt. 1792 trat sie mit dem Ordensnamen Maria Clementine dem Annuntiatenkloster St. Anna in Coesfeld bei.

Gegründet wurde dieses Kloster etwa in den 1470er Jahren als Sankt Annenhus, auch als kleines Schwesternhaus genannt. Das Kloster gehörte ursprünglich dem Orden der Franziskanerinnen an. Etwa 200 Jahre später wurde das Kloster in ein Annuntiatinnenkloster umgewandelt. Ein Charakteristikum der Annuntiatinnen war ihr soziales Engagement. Dem Kloster war seit 1682 auch eine Krankenstation angegliedert.Heute befindet sich auf dem Klostergelände das Krankenhaus.

Clementine Martin widmete sich in Coesfeld der Krankenpflege und beschäftigte sich auch mit den Wirkungsweisen von Heilpflanzen. Als das Kloster 1803 aufgelöst wurde, siedelt sie zunächst in das Annutiatenkloster Glane in den Niederlanden, wo sie zehn Jahre blieb. Sie engagierte sich vor allem für Kranke, Verletzte und die Armen der Gesellschaft. Durch praktische Erfahrungen mit verschiedenen pflanzlichen Heilmitteln erwarb sie schnell einen guten Ruf als Heilkundige. Schließlich kehrte sie nach Brüssel zurück, wo sie in einem Kloster des Karmeliterinnenordens viel Zeit dafür investierte mit Heilkräutern verschiedene Rezepturen zu entwickeln.

Aus insgesamt 13 Kräutern entstand in dieser Zeit die Rezeptur für das „ächte Carmeliter- oder Melissenwasser“, das heute als „Klosterfrau Melissengeist“ weltweit bekannt ist. Im Zuge der napoleonischen Kriege wurden die Klöster aufgelöst. Nach der Schlacht von Waterloo ging sie über das Schlachtfeld, um Verwundeten erste Hilfe zu leisten und diese zu versorgen. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. sprach ihr für diesen Einsatz eine jährliche Leibrente in Höhe von 160 Goldtalern – eine nicht geringe Summe – zu. Im Jahr 1825 kam Clementine Martin nach Köln und pflegte dort zunächst den 86-jährigen Domvikar Gumpertz.

Nach dessen Tod gründete sie dank der Leibrente ein Unternehmen, in dem sie den Melissengeist, Eau de Cologne und einige andere Heilmittel produzierte. Der Betrieb trug den Namen „Maria Clementine Martin Klosterfrau“. Der Vertrieb der Produkte lief für sie sehr erfolgreich. Um ihr aufstrebendes Unternehmen zu schützen, schrieb sie am 7. November 1829 an den preußischen König und bat ihn darum, das preußische Wappen auf den Flaschen ihrer Produkte verwenden zu dürfen und schickte ihm Proben des Melissengeistes und des Kölnisch Wassers. Der König genehmigte ihr die Verwendung des preußischen Wappens auf ihren Produkten.

Wie wichtig ihre Bitte für die Weiterentwicklung ihres Unternehmens war, zeigte sich in den nächsten Jahren. Einige ihrer Konkurrenten imitierten nicht nur ihre Produkte, sondern verwendeten nun nämlich ebenfalls das preußische Wappen. Dagegen wehrte sie sich und schrieb Beschwerdebriefe an das „Ministerium für Geistliches Unterricht und Medizinalangelegenheiten“. Das Ministerium riet ihr zu klagen. Clementine Martin verwies in einem Zeitungsartikel auf die Unterschiede zwischen ihrem Melissengeist, der durch ein kompliziertes Destillationsverfahren entstand, und den nachgemachten Produkten, bei denen es sich oft um ätherische Öle zusammen mit Alkohol handelte. Erst durch das Destillieren würde die Wirkung der Pflanzen eintreten, worin ein deutlicher qualitativer Unterschied zu sehen sei. Diese Qualität führte dazu, dass ihre Produkte in der Folge mehrfach ausgezeichnet und das Unternehmen zum Hoflieferanten der Könige von Bayern und Spanien berufen wurde. Durch ihren Geschäftssinn und ihr Engagement für die Kranken und Armen erlangte sie zunehmend Bekanntheit in Köln. Am 9. August 1843 starb Clementine Martin. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde sie auf dem Kölner Friedhof Melaten beigesetzt.


Quellen und Literatur

Stadtarchiv Coesfeld, B03.01 Frohne, Ludwig, 1745; „Eine Art Medicina“, in: Liboriusblatt vom 21.Oktober 2001, S. 14-15; Helmut Henkelmann, Maria Clementine Martin (1775-1843), Köln 2014.

 
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