Brennt blaues Licht in der ehemaligen Synagoge?

Um an die lebendige und wechselvolle Geschichte der ehemaligen Synagoge in Coesfeld zu erinnern, wird zukünftig an ausgewählten jüdischen Feiertagen in den Abendstunden blaues Licht in dem Gebäude zu sehen sein. 
Das blaue Licht orientiert sich an der Farbe „Tekhelet“ einem Blauton, der 48mal in der Tora erwähnt wird. Diese Farbe hat für das Judentum eine besondere Bedeutung und steht für den Himmel und damit für die Verbindung zu Gott.

Wann ist es zu sehen?

Jüdische Feiertage beginnen bereits am Vorabend bei Sonnenuntergang und enden am nächsten Tag kurz nach Einbruch der Dunkelheit. Das Licht in der ehemaligen Synagoge schaltet sich über einen Lichtsensor bei Dämmerung ein und brennt dann bis zum nächsten Morgen.
Der Schabbat ist der wöchentliche Ruhetag. Nach unserem Kalender ist er der Samstag. In der hebräischen Sprache hat der Schabbat als einziger Wochentag einen besonderen Namen. Alle anderen Tage sind nummeriert. Die Schabbatruhe gilt als heilig. Gläubige Juden schalten Licht und andere elektrische Geräte nicht an oder aus, unternehmen keine Reisen und arbeiten nicht. Bevor der Schabbat beginnt, werden alle Erledigungen abgeschlossen und das Festmahl für die Familie vorbereitet. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit werden zuhause oder in der Synagoge zwei Schabbatkerzen angezündet.

 

Andere jüdische Feiertage Apil bis Juni 2022

16. April – 23. April 2022: Pessach

 

Das Pessach- oder Paschafest gehört zu den wichtigsten jüdischen Feiertagen. Es erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten und damit aus der Sklaverei. Der Name des Festes bedeutet übersetzt etwa „Vorübergehen“ oder „Auslassen“. In der Nach des Auszuges starben alle Erstgeborenen männlichen Nachkommen. Durch eine Markierung der Türen wurden die israelischen Erstgeborenen aber verschont. Noch heute wird im Gedenken an dieses Ereignis nur Ungesäuertes gegessen, weil der plötzliche Aufbruch aus Ägypten es nicht gestattete, den Brotteig vor dem Backen säuern zu lassen. Es ist in erster Linie ein Familienfest mit verschiedenen Riten und Bräuchen. Das Fest dauert sieben Tage. In dieser ganzen Zeit ist es verboten gesäuerte Nahrungsmittel – also Produkte aus Weizen, Roggen, Gerste, Hafer oder Dinkel, die mindestens 18 Stunden mit Wasser in Kontakt kamen – zu essen oder auch nur im Haus zu haben. Mit diesem Fest beginnen die 49 Tage des Omer-Zählens. Einer Trauerzeit, die mit dem Fest Shavout endet.

 

18. Mai 2022: Lag baOmer

 

Lag baOmer ist der 33. Tag des Omer-Zählens. Die 49 Tage erinnern an Seuchen, Aufstände und z. B. auch an die jüdischen Opfer der Kreuzfahrer im 11. Jahrhundert. Dieser Tag ist jedoch ein fröhliches Fest in der Trauerzeit, weil an diesem Tag eine Seuche, die viele Juden im 2. Jahrhundert befallen hatte endete. Daher finden an diesem Tag häufig Hochzeiten oder Konzerte statt. Da in solchen Trauerzeiten auch das Haareschneiden verboten ist, wird an diesem Tag traditionellerweise oft dreijährigen Jungen erstmalig das Haar geschnitten.

 

4. Juni 2022: Shavuot

 

Mit dem Fest Shavuot endete die Trauerzeit. Es erinnert an die göttliche Offenbarung und die Übergabe der Zehn Gebote an das Volk Israel am Berg Sinai. Auf diesem Ereignis basiert das Bündnis zwischen Gott und dem Volk Israel, das von Gott erwählt wurde, einen besonderen Auftrag zu erfüllen: die göttlichen Gebote zu befolgen und sie in der Welt zu verbreiten. Shavuot ist auch eins der drei Wallfahrtsfeste, an dem die ersten Früchte zum Tempel in Jerusalem dargebracht wurden. Deswegen ist es das jüdische Erntedankfest. Auch ist es Tradition die Synagoge oder das Zuhause mit frischem Grün zu schmücken.

 

Ehemalige Synagoge

Gestern und Heute

Die ehemalige Synagoge ist einer der Orte, der an die Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Coesfeld erinnert. 1810 wurde das Gebäude fertiggestellt und war nicht nur die Synagoge der jüdischen Gemeinde. In diesem Gebäudekomplex befand sich bis in frühe 20. Jahrhundert auch eine jüdische Schule. 1938 sah sich die Gemeinde gezwungen das Gebäude an einen Nachbarn zu verkaufen. Ohne großen Schaden überstand das Gebäude den Zweiten Weltkrieg. 1962 erwarb die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde das Gebäude und nutzte es als Kirche und Gemeindehaus. Seit 2012 gehört das Gebäude der Stadt und ist nur nicht ein Ort des Gedenkens und Erinnerns, sondern soll zukünftig auch stärker für Veranstaltungen genutzt werden. Damit soll die wechselvolle Nutzungsgeschichte fortgeschrieben werden. 

An die Zeit als lebendige Synagoge erinnern heute vor allem der imposante Toraschrein und die Frauenempore. 

Eine 2021 installierte Medieninstallation lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein sich mit der ambivalenten Nutzungsgeschichte, aber auch mit dem jüdischen Leben in Coesfeld und den Baumbergen auseinanderzusetzten. 

 
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